Schmerztherapie

Unter Schmerztherapie versteht man alle therapeutischen Maßnahmen, die zu einer Reduktion der Schmerzen führen. Bei Schmerz wird im allgemeinem  zwischen akuten und chronischen Schmerzen unterschieden.



Akuter Schmerz

 

Akute Schmerzen im Verlauf der Alkaptonurie dienen als Warner und Hinweis zur Diagnose zugrundeliegender AKU-Symptome wie z.B. Blockaden der Wirbelsäulen, Prostata  und Nierensteine, akute Gelenkschmerzen. In diesen Fällen ist neben der medikamentösen Schmerztherapie vor allem die kausale Behandlung wie Manuelle Therapie bei LWS-, BWS- und HWS-Syndromen, chirurgische Entfernung der Prostata- und Nierensteine sowie Einsatz von Endoprothesen indiziert (1-3).



Chronischer Schmerz


Chronischer Schmerz geht über den erwarteten Zeitraum hinaus, in der normalerweise eine Heilung stattfindet. In der Alkaptonurie sind dies hauptsächlich chronische Rücken- und Gelenkschmerzen aufgrund der zugrundeliegenden ochronotischen Arthropathie. Die Behandlung chronischer AKU-Schmerzen erfordert einen interdisziplinären Ansatz, ein sogenanntes individuelles angepasstes Schmerzmanagement, meistens bestehend aus medikamentöser Schmerztherapie, Physiotherapie und/oder Thermotherapie, Massagetherapie, Akupunktur/Akupressur und Psychotherapie (1). 



Medikamentöse Schmerzbehandlung


Eine individuelle an dem AKU-Patienten angepasste medikamentöse Schmerztherapie wird von den AKU-Experten am National Institute of Health (NIH) in Bethesda, USA und dem Royal Liverpool University Hospital (GB) empfohlen. Diese bezieht sich hauptsächlich auf das von der WHO empfohlene Stufenschema der Schmerztherapie und basiert anfänglich auf Nicht-opioide, peripher wirksame Analgetika, anschließend auf Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) und später auf Opioide, zentral wirksame Analgetika.  Bei einer Beteiligung der Muskeln, wie sie in der Alkaptonurie häufig vorkommt, werden auch zentrale Muskelrelaxanzien eingesetzt, während Kortison indessen weniger verabreicht wird.

 

Schmerztherapie bei AKU

Beim 8. Internationalen AKU-Workshop 2014 in Stockholm, gab es zum ersten Mal einen Vortrag und Untersuchungen hinsichtlich Schmerzen bei AKU, der von dem Schmerztherapeuten Dr. Andrew Jones (Uniklinik Liverpool) gehalten wurde (4). Seine Erkenntnisse bezogen sich auf Untersuchungen von ca. 30. Britischen AKU-Patienten, die an der nationalen Studie bezüglich einer 2 mg Nitisinon off-label Behandlung am Nationalen AKU-Zentrum teilnehmen. Laut Dr. Jones verhalten sich die Schmerzen bei AKU-Patienten ähnlich wie bei Krebs (WHO empfohlene Stufenschema der Schmerztherapie). Hierbei gilt es auch die synaptische Plastizität des individuellen AKU-Patienten sowohl peripher, Rückenmark als auch im ZNS zu berücksichtigen. Gemäß der Erfahrung von Dr. Jones scheinen die Schmerzen an der Schulter bei AKU-Patienten am ausgeprägten zu sein, gefolgt von Schmerzen an der Lendenwirbel. Suprascapularer Nervblock erwies sich als effiziente Schmerztherapie für die Schulter, aber auch 5 % Lidocainpflaster, Triggerpunkt- injektionen (Lokalanästhesie) und Schmerznervverödung (Thermo Injektion) waren je nach Lokalisation und Art der Schmerzen erfolgreich.  Deswegen ist eine angepasste Schmerztherapie für AKU-Patienten unabkömmlich.

 



Physiotherapeutische / physikalische Maßnahmen

  1. Manuelle Therapie ► Behandlung von LWS, BWS und HWS-Syndromen
  2. Massagetherapie ► schmerzhafte Muskelverspannungen
  3. Thermotherapie (Wärme + Kältetherapie)
    1. Wärme:
      1. Indikationen: Chronischen Entzündungen, Muskelverspannungen und degenerativen Erkrankungen der Gelenke und Wirbelsäule wie im Falle der Alkaptonurie
      2. Anwendung: heiße Umschläge, Moor- + Fangopackungen, heißes Bad, Wärmepflaster
    2. Kälte:
      1. Indikationen: Akute Entzündungen und akute Traumen nach einer Operation
      2. Anwendung: Beutel mit Eiswürfel, gefrorene Erbsen, Kältebeutel, Kühlgelpackungen 5 - 15 Minuten auf betroffene Stelle.
      3. Warnung: Wenn Kältegefühl zu Kälteschmerz führt ist die Anwendung sofort zu beenden
  4. Elektrotherapie          

 

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

  1. Akupunktur (vor allem bei Rücken- und Knieschmerzen)
  2. Akupressur
  3. Schröpfen / Schröpfmassage
  4. Reflexzonenmassage

 

Psychologische Schmerzbewältigung

  1. Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen
  2. Autogenes Training
  3. Selbsthypnose
  4. Hypnose
  5. Ablenkung (mental, sozial oder Aktivitäten)
  6. Herausfinden der Grenzen bzgl. Belastungen
  7. Allmähliche Steigerung der Aktivitäten

                       

Funktionstraining

Auch zum Thema SChmerz hat die Rheuma-Liga auch hierzu Merkblätter und Broschüren, um den Alltag mit Arthrosenschmerzen zu bewältigen.

 

Gelenkschutz im Alltag

 

Merkblatt 1.19 Kreuzschmerz – Wirbelsäulenschaden

 

Merkblatt 4.1 Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)

 

Merkblatt 4.2 Analgetika (reine Schmerzmittel)

 

Merkblatt 5.4 Thermotherapie bei Rheuma

 

 

 

Referenzliste

  1. Gahl, W.A., Introne, W., Kayser, M., Phornphutkul, C., and Suwannarat, P. (2011) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK1454/.
  2. Kayser, M. A., Introne, W., and Gahl, W. A. (2009) Chapter 92: Alkaptonuria. In Vale, D., Beaudet, A. L., Vogelstein, B., Kinzler, K. W., Antonarakis, S. E., Ballabio, A., Scriver, C. R., Sly, W. S., and Childs, B., editors. The Scriver's Online Metabolic & Molecular Bases of Inherited Diseases, McGrawHill Companies, Columbus, 1-30.
  3. Perry, M. B., Suwannarat, P., Furst, G. P., Gahl, W. A., and Gerber, L. H. (2006) Musculoskeletal findings and disability in alkaptonuria. J.Rheumatol. 33, 2280-2285.
  4. Jones, A., Chronic pain in AKU patients, 8th International AKU Workshop on AKU, 16 October 2014, Stockholm.



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