Pädiatrie

Kinderärzten ist das Buchkapitel über Alkaptonurie von  Prof. Dr. Mönch unbedingt zu empfehlen, da ausführlich über die altersabhängigen diätetischen Maßnahmen unter der Berücksichtigung des Wachstums von Kindern berichtet wird.  Die unten angeführten Informationen sind hauptsächlich Ausschnitte, die aus diesem Buchkapitel entnommen wurden.

 

Mönch, E. und Link, R. (2006) In Mönch, E. und Link, R. Alkaptonurie. Diagnostik und Therapie bei angeborenen Stoffwechselstörungen , SPS-Verlag, Heilbronn, S. 55-72.

 

 

Identifizierung:

 

AKU-Kindern werden meistens anhand der Dunkelfärbung ihres Urins oder während eines gezielten Neugeborenen-Screening der Homogentisinsäure (HGA) mittels LC-MS/MS identifiziert.  Im Falle einer gegebenen Urinverfärbung und Verdacht auf Alkaptonurie sollte folgende Differentialdiagnostik vorgenommen werden (1):

  • Alkaptonurie (OMIM 203500)
  • Akute intermitterende Porphyrie (OMIM 176000)
  • Erythropoetische Porphyrie (OMIM 263700)
  • δ-Aminolaevulinsäuredehytratase-Defekt (OMIM 125270)
  • Porphyria cutana tarda, Typ I (OMIM 176090)
  • Coproporphyrie (OMIM 121300)
  • Rote Beete Farbstoff Exkretoren (Beeturia) (OMIM 109600)
  • Blut im Urin

Hierbei ist zu beachten, dass die HGA-Konzentration im Urin bei AKU-Kindern um ein vielfaches (300 - 500) höher ist als die von gesunden Kindern wie in Tabelle 1 anhand eines Beispiels dargestellt.

  

Tabelle 1: Altersabhängige HGA-Konzentrationen im Urin  eines AKU-Mädchen im Vergleich zu gesunden Kindern (2).

Alter

(Jahren)

HGA Konzentration

Gesunde Kinder (n = 84)

AKU-Mädchen (n = 1)

mg/mmol Kreatinin (± SD)

mg/l (± SD)

mg/mmol Kreatinin  (±SD)

mg/l (± SD)

0-1

2,41 ± 1,56

5,33  ± 4,69

353

2466

2-3

2,82 ± 2,23

9,29  ± 6,43

786 - 843

2634 - 3460

4-6

2,79 ± 2,06

11,53  ± 6,24

333 - 455

3335 - 3502

7-10

1,29  ± 0,56

11,25  ± 7,37

 

 

11-18

1,23  ± 0,79

12,26  ± 4,98

 

 

 
Ansonsten sind AKU- Kinder bzgl. der Alkptonuriepathogenese  bis ca. in den 30ziger Jahren symptomlos. Jedoch lässt sich die Entwicklung der späteren AKU-assoziierten Symptome in der Kindheit durch folgende Maßnahmen am meisten steuern (3):
  1. Eiweißarme Diät (phenylalnin- und tyrosinreduzierte Diät)
  2. Vermeidung von Mikroschäden des Bewegungsapparates durch Unterlassen von Sportaktivitäten mit hoher Stauchung
  3. Medikamentöse Behandlung mit Nitisinon in Begleitung einer notwendigen eiweißarmen Diät.


Eiweißarme Diät

 

Bei einer eiweißarmen Diät im Kindesalter sollte jedoch in Erwägung gezogen werden, dass Eiweiß ein wichtiger Bestandteil für das Wachstum ist und dementsprechend dem Alter angepasst werden muss wie in Tabelle 2 zusammengefasst. Wichtig ist hierbei besonders die Einnahme von essentiellen Aminosäurenunter anderem auch Phenylalanin, die selbst nicht im Körper produziert werden können. Zusätzlich ist zu beachten, dass der durchschnittliche Tyrosinbedarf bei Kindern mit der Zeit abnimmt (siehe Tabelle3).

 
Tabelle 2: Erfahrungswerte für eine altersabhängige Eiweißzufuhr bei einer eiweißarmen Diät (1;4).

Alter

Natürliches Eiweiß (g/kg Körpergewicht/Tag)

0 – 2 Monate

Keine Reduktion

3 – 12 Monate

1,5 - 2,0

Kleinkinder

1,4 - 1,6

Schulkinder

1,3 - 1,6

Jugendliche

0,8 - 1,1

 

Tabelle 3: Durchschnittlicher altersabhängiger Tyrosinbedarf bei Kindern (1;5).

Alter (Monate)

Tyrosin (mg/kg/Körpergewicht/Tag

0 < 6

80 – 60

6 < 12

60 - 30

Alter (Jahre)

Tyrosin (mg/kg/Körpergewicht/Tag

1 < 4

60 - 30

4 < 7

50 - 25

7 < 11

40 - 20

11 < 15

30 - 15

15 < 19

30 - 10

 
Nitisinon


Im Falle einer medikamentösen Behandlung mit Nitisinon ist eine eiweißreduzierte Diät erforderlich, da unter Normalkost die Tyrosinkonzentrationen im Blut zu stark ansteigen. Optimal ist, wenn die Abweichungen der Serumkonzentrationen von Tyrosin und Phenylalanin von den Normwerten nur gering sind (Tabelle 4). Die Phenylalaninkonzentration sollte den unteren Normwert nicht unterschreiten. Unter diesen Umständen kann eine bis zu 1000 µM Tyrosinkonzentration im Serum komplikationslos toleriert werden (1). Um die erforderliche eiweißreduzierte Diät einhalten zu können, sollte ein Diätassistent unbedingt hinzugezogen werden.

 
Tabelle 4 : Normale Tyrosin- und Phenyalaninkonzentrationen (µM/) im Serum von Kindern zwischen 3 Monaten und  14 Jahren.

Aminosäuren

0 - 3 Monate

(µM)

3 Monate – 14 Jahre (µM)

Nicht-Nüchtern

Nüchtern

Tyrosin

< 196

67 (25 – 99)

54 (32 - 76)

Phenylalanin

< 182

77 (21 – 133)

48 (34 – 62)

 

Kontrolluntersuchungen:

  • Körpergewicht, Länge, Kopfumfang
  • Blutbild (mit Thrombozyten)
  • Konzentration Spurenelemente
  • Quantitative Bestimmung folgender Aminosäuren im Serum/Plasma: Tyrosin, Phenylalanin, Methionin, Isoleucin, Leucin und Valin.
  • Quantitative Bestimmung der Homogentisinsäure im Urin und Serum: HGA

Bei weiteren Fragen kann auch der Verein für Angeborene Stoffwechselerkrankungen e.V. (VfASS) ein wichtiger Partner der DSAKU, kontaktiert werden. 

 

Referenzliste

  1. Mönch, E. und Link, R. (2006) Alkaptonurie. In Mönch, E. and Link, R. Diagnostik und Therapie bei angeborenen Stoffwechselstörungen, SPS-Verlag, Heilbronn, S. 55-72.
  2. Olah, A. V., Llyes, I., Szoke, A., Csizy, I., Toth, J., and Varga, J. (2003) Urinary homogentisic acid in alkaptonuric and healthy children. Clin.Chem.Lab Med. 41, 356-359.
  3. Gahl, W.A., Introne, W., Kayser, M., Phornphutkul, C., and Suwannarat, P. (2011) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK1454/.
  4. Müller, E. (2003) Aminosäurestoffwechselstörungen mit milden Verlauf. In Müller, E., editor. Praktische Diätetik in der Pädiatrie: Grundlagen für die Ernährungstherapie., SPS Verlag, Heilbronn, 73-75.
  5. Elsas, L. J. and Acosta, P. B. (1999) Nutritional support of inherited metabolic disease. In Shils, M. E., Olson, J. A., Shike, M., and Ross, A. C., editors. Modern Nutrition in Health and Disease, Lea & Febiger, Philadelphia, 1003-1056.



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